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HERBSTKARPFEN

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Unser Autor Christian Klatt über die zwei verschiedenen Phasen des Herbstes und sein jeweiliges Vorgehen.

 

Das Angeljahr kann noch so bescheiden gelaufen sein, aber ein guter Herbst tröstet über so manchen Misserfolg hinweg. Beim Betrachten meiner Fangbilder der letzten Jahre fiel mir auf, dass die meisten großen Fische im Herbst gefangen wurden. Zufall? – Gewiss nicht, haben doch gerade diese Fische zu dieser Zeit einen hohen Nahrungsbedarf, der rein mit natürlicher Nahrung nur mit großen Mühen gestillt werden kann. Für mich beginnt der Frühherbst ganz unabhängig von dem kalendarischen Datum mit dem Farbenspiel der Laubbäume und der Spätherbst mit den wiederholt einsetzenden Nachtfrösten. Auf beide Zeitabschnitte muss man sich entsprechend anpassen, um nicht durch fatale Fehler, wie übermäßiges Füttern in kaltem Wasser, die ohnehin geringen Fangchancen zunichte zu machen.

Mit dem Farbenspiel der Laubbäume beginnt für mich der Frühherbst und damit die erste Phase dieser so erfolgsversprechenden Zeit.

Der Frühherbst

Es gibt kaum eine produktivere Zeit im Jahr, um unseren Zielfischen nachzustellen. Der Appetit ist groß und das Nahrungsangebot nimmt stetig ab. Es ist nur logisch, das so manch beleibter Karpfen unvorsichtig wird und sich üppig am vom Angler gedeckten  Speisen“tisch“ bedient. Die Fische benötigen nahrhaftes Futter und das sollte man ihnen auch anbieten. Boilies mit leichtverdaulichen Proteinen tierischen Ursprungs sind meine erste Wahl. Beim Füttern geht Klasse ganz klar vor der schlichten Masse. Viele Angelkollegen machen den Fehler im Herbst durch schlichtes Abkippen großer Futtermengen günstigen Futters die Fische an den Platz locken zu wollen. Das geht nur so lange gut, solange nicht auch andere Angler einen ähnlichen Einfall hatten. Da man sich an den meisten Vereinsgewässern nicht sicher sein kann, wieviel Futter von anderen Anglern eingebracht wird, empfehle ich einen gemäßigten Futtereintrag hochwertigen Futters in Form von nahrhaften Boilies und frischen Pellets. Die Fische sind aktiv auf Futtersuche und nach jedem Fisch sollte nachgefüttert werden, um die Fische am Platz zu halten.

Mit Hilfe des MIKA Falteimers könnt ihr euch eure Futtermischung schnell zusammen mixen und ihn nach dem Füttern ganz einfach reinigen und wieder platzsparend verstauen.

Wie in fast allen Jahreszeiten suche ich die Fische in unterschiedlichen Tiefen und Angelentfernungen. Weht ein milder Wind, wird mindestens eine Montage in Ufernähe an dem windzugewandten Ufer ausgebracht. Dieses erkennt man oftmals an dem treibenden Kraut, welches den Platz für viele Angler unattraktiv macht. Zugegeben es gibt schöneres als treibende Krautbündel, die einen des Nachts aus dem Schlafsack treiben, weil die Bissanzeiger sonst keine Ruhe geben würden.

Der Wandel der Natur beeindruckt mich Jahr für Jahr.

Aber es gibt ein einfaches Hilfsmittel, womit man dieses Problem in den Griff bekommt: Für unter 10 Euro bekommt man im Baumarkt den Metallkopf eine Laubharke, den man an ein Seil knotet. Diesen kann man ein einige Meter auswerfen und das Kraut an Land ziehen.  Dieses Prozedere wiederhole ich, bis der Angelplatz grob krautfrei ist. Falls möglich bereite ich so den Angelplatz schon am Tag vor dem Angeln vor, um die Störungen durch das Einwerfen der Krautharke gering zu halten. Sollte es nicht möglich sein den Platz so vorzubereiten, ist das nicht so schlimm, weil sich die Fische erfahrungsgemäß zeitnah wieder an dem Platz einfinden werden. Teilweise sind mir Fänge nur wenige Minuten nach der Nutzung der Krautharke gelungen und das obwohl ich keine 10m vom Ufer entfernt geangelt habe. So weit zu gehen, dass die Fische durch die Harke angelockt werden, würde ich nicht, aber für Karpfen scheint aufgewirbeltes Sediment so interessant zu sein, dass ihre Neugier sie wieder zu dem Platz zurück lockt.

Am windzugewandten Ufer zu fischen kann sich im Herbst lohnen, auch wenn man mit viel angeschwemmten Dreck zu kämpfen hat.

Der Spätherbst

Der Übergang zum Spätherbst ist fließend und auch anglerisch erfolgt die Anpassung kleinschrittig. Man befischt zunehmend Strukturen in den tiefen Gewässerbereichen und reduziert die Futtermenge passend zu den fallenden Wassertemperaturen. Die Zusammensetzung des Futters ist weitgehend identisch mit dem Futter des Frühherbstes. Der Hauptunterschied besteht lediglich in der Menge, die zu Beginn einer Angelsession bei etwa zwei Händen voll liegen sollte. Man stellt den Fischen eine Falle und erst nach dem ersten Fang wird in Maßen nachgefüttert.

Nach dem ersten Fang bringe ich wieder eine kleinere Menge meines Futters aus. Das selbe mache ich nach jedem Fang, um dafür zu sorgen, dass immer Futter am Platz ist, die Fische aber nicht mit zu großen Mengen zu verschrecken.

Da man oftmals in großen Wassertiefen angelt, lasse ich die Montagen an gestrafter Schnur absinken, um ein etwaiges „vertüdeln“ zu verhindern. Weiterhin setze ich im Herbst gerne auf Kombi Rigs, die zuverlässig den Köder präsentieren, ohne sich um das Blei zu wickeln. Da insbesondere im Spätherbst mit großen Fischen in guter Verfassung zu rechnen ist, fische ich nicht zu fein. In meinem Fall bedeutet das ein 6er Haken an 25 lbs. tragendem Hakenvorfach, wie dem Crossline Material. Damit habe ich genug Reserven, um kampfstarke Fische von Hindernissen fern zu halten. Dem Lehrbuch nach, fängt man im Spätherbst zwar wenige, aber dafür große Fische, die vorwiegend im tiefen Wasser auf Nahrungssuche gehen. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, aber beim Karpfenangeln sollte man nicht zu starr an den scheinbar logischen Regeln festhalten. Natürlich benötigen große Fische mehr Nahrung und damit auch mehr Zeit, um sich den sogenannten Winterspeck anzufressen. Aber auch junge, unerfahrene Satzkarpfen haben häufig noch einen gesegneten Appetit. Weiterhin befische ich auch sehr gerne abgestorbene Krautfelder in verhältnismäßig geringen Wassertiefen, die zwar im Vergleich zum tiefen Wasser kühler, aber dennoch nahrungsreich sind.

Gerne befische ich auch ufernahe abgestorbene Krautfelder. Diese sind durch die geringe Wassertiefe zwar etwas kälter, aber immer noch reich an Nahrung.

Schlusswort(e)

Für mich ist der Herbst mit die schönste Jahreszeit, um den Karpfen nachzustellen. Nicht nur die guten Fänge, sondern auch die farbenfrohe Wandlung der Natur sind unvergleichlich. Mit einer guten Ausrüstung, wie einem dicken Schlafsack und einem gemütlichen Wetterschutz lässt sich der Herbst zum Kraft tanken nutzen und man erträgt die Durststrecke besser, wenn die Gewässer zufrieren.

Die langen einsamen Nächte können auch etwas positives haben, da man die Zeit gut zum Nachdenken und zur Ruhe kommen nutzen kann.

 

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