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MARC FÄHNRICH: GEGEN DEN STROM

MARC FÄHNRICH: GEGEN DEN STROM
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Marc Fähnrich geht im Herbst und Winter mit seiner Angelei gegen den Langzeitfutter-Trend. Er verfolgt eine mobile Taktik mit kleinen Spots und kleinen Futterrationen. Wie er dabei vorgeht und wie wichtig ihm dabei ist, mobil zu bleiben, lest ihr in seiner Story:

Wer sagt, dass der Herbst viele und große Fische bringen muss? Wer behauptet, dass der Herbst die beste Jahreszeit im Jahr darstellt? Vielleicht ist die Erwartungshaltung von uns Karpfenanglern an den Herbst einfach zu groß? Muss man immer wieder Durchhalteparolen aussprechen oder kann ich auch mit wenig zufrieden sein? Diese Fragen möchte ich in den folgenden Zeilen aus meiner Sichtweise beantworten und dabei natürlich auch nicht verschweigen, mit welcher Taktik ich versuche, bis zum Schluss am Fisch zu sein.

Der Trolley ist in meiner Angelei ein wichtiges Bestandteil!  Während viele Karpfenangler im Herbst und Winter fast ausschließlich auf Langzeitfutterplätze setzen, mag ich die mobile Angelei an strategisch gut gelegenen Spots. Dabei schraube ich meine Erwartungshaltung von Woche zu Woche drastisch nach unten. Je kälter das Wasser wird, desto geringer die Chance auf Massenfänge. Öfters mal zu blanken gehört zu dieser Jahreszeit einfach dazu. Dafür belohnen einen überdurchschnittlich große Einzelfische für die Ausdauer.

Gegen den Strom

Große Futterkampagnen mit unzähligen Kilos Futter stelle ich im Laufe des Herbstes bis hin zum Winter komplett ein. Ich versuche mich auf das Wesentliche zu beschränken und widme mich Spots, die von anderen Anglern gemieden oder seit Wochen nicht beangelt wurden. Meine beiden Ruten verteile ich dabei strategisch in zwei unterschiedliche Seeareale. Diese Vorgehensweise gehört für mich zu einem der wichtigsten Schlüsselfaktoren zu dieser Jahreszeit.

Am Wasser angekommen, beobachte ich immer aufmerksam meine Umwelt, um die sich immer seltener zeigenden Fische zu lokalisieren. Ich move prinzipiell frühestens nach 24 Stunden aktivem Angeln auf einen anderen Spot. Dennoch heißt es für mich mobil und flexibel zu bleiben. Immer mit dabei ist deshalb mein Trolley.

Vielfältig und wenig füttern

Kleine, zentrierte Futterplätze mit hochattraktivem Futter sind das nächste Teil des Puzzles. Unterschiedliche Stellen befüttere ich über Wochen mit kleinen Mengen. Je mehr Stellen man regelmäßig mit ein paar Happen versorgen kann, desto häufiger kann man zur heißen Zeit angeln – vorausgesetzt man wechselt regelmäßig die Spot, damit kein zu hoher Angeldruck entsteht.

Mit der Spomb lässt sich das Futter hervorragend auf den kleinen Spots platzierenDie ohnehin schon kleinen Futterrationen reduziere ich mit den immer weiter fallenden Tagestemperaturen bis zu ca. 150 Gramm pro Futtereinheit und Platz.

Ich versuche den Karpfen möglichst unterschiedliche Ködervariationen und Ködergrößen anzubieten, um den Fischen das nötige Vertrauen auf den Platz über die Zeit geben zu können. Die Spomb ist neben der Futterkelle eine der besten Methoden.

Neben den veränderten Fressphasen spielt meiner Meinung auch die Köderaufnahme der Fische im Winter eine große Rolle. Die immer träger werdenden Fische, fressen entsprechend langsamer und zurückhaltender. Deshalb verwende ich keine einheitlichen Ködergrößen, sondern mische Boilies, halbierte Boilies, Mais, Tigernüsse, Erdnüsse und Pellets zusammen.

Dran bleiben

Nachdem der Spätsommer und Frühherbst nicht hätte besser für mich laufen können, musste ich zu Beginn des Herbstes einige Rückschläge hinnehmen. Auf den zu Beginn des Herbstes immer stärker werdenden Angeldruck reagierten die Fische mit verschlossenen Mäulern.

Zwei 16mm Boilies am Haar kamen bei den Fischen am besten anIch zweifelte nicht an meiner Vorgehensweise und den Spots: Im Spätherbst befischte ich mit einer Rute in einem Gebiet voller Totholz. Die andere Rute legte ich ufernah an einem alten Krautfeld ab. Ich vertraute der Mussel Care Line in 25lbs mit einem kleinen Verona Haken der Größe 8 gebunden an einem einfachen Blowback Rig.

Nach mehreren erfolglosen Tagessessions konnte ich beide Spots nochmals etwas mehr als 48 Stunden am Stück befischen. Manchmal ist der Schlüssel zum Erfolg eine längere Session. Die Rigs liegen länger im Wasser, auch sehr kurze Beißzeiten, z.B. während Hochdruckphasen, nimmt man so mit.

Während die meisten anderen Angler ihr Angelgerät einmotten, geht es unter Wasser erst so richtig los.Es kam wie es kommen musste: Die erste Nacht brachte wieder nichts, doch sobald der Morgen anbrach waren die Fische plötzlich am hindernisreichen Spot unterwegs. Ich konnte mehrere wundervoll dunkel gefärbte Fische auf zwei 16mm Fermentos von Badgers Best fangen. Nun schien ich den Dreh rauszuhaben: Während immer mehr Angler ihr Tackle frühzeitig einmotteten, fing ich an regelmäßig zu fangen!
Nach den ersten Sessions ohne Erfolg, kam ich den Herbstkarpfen so langsam auf die Spur.

Weiter ziehen

Der Spot, der mir im Spätherbst kontinuierlich Fisch brachte, war nun Mitte Dezember wieder wie ausgestorben. Nochmals investierte ich Zeit und Geduld, das Arial zu wechseln. Mit dem Gedanken, dass über jede Nacht der See zufrieren kann, schwand in mir der Glaube noch einen letzten Fisch für 2016 fangen zu können.

Je kälter die Wassertemperatur wird, desto kleiner werden die Futterrationen. Doch aufgeben war keine Devise! Ich fütterte ganz vereinzelt halbierte Fermentos und Tigernüsse ufernah an einer steilen Kante auf 4,5m und einer Kiesbank auf 2,5m Wassertiefe. Dann trat das ein, was ich mir nicht erhofft hatte…

Auf den letzten Drücker

Eine tagelange Kältefront über der Region brachte den See zum Zufrieren und an Angeln war zunächst nicht mehr zu denken! Ein Wochenende später wollte ich mein Glück auf einen Winterkarpfen nochmals versuchen. Der See war gerade wieder aufgetaut.

Last Minute konnte ich nach Weihnachten, den von mir immer noch nicht aufgegebenen Spot nochmal für eine Nacht befischen. Die etwas milderen Temperaturen spielten mir in die Karten und ich fuhr endgültig zum letzten Mal für 2016 raus ans Wasser.

Die tiefe Rute fischte ich mit zwei aufgepoppten Tigernüssen. Die flache Rute wieder mit zwei 16mm Fermentos. Beigefüttert wurde nur mit PVA Säcken. Trotz meiner Euphorie noch eine letzte Nacht am Wasser verbringen zu können, sah alles nach einem letzten Blank aus.
Beim Lösen des Hakens erkannte ich noch gar nicht die Ausmaße des Fisches...Erst auf der Matte offenbarte sich die wahre Größe.

Tatsächlich erwachte ich am nächsten Morgen, ohne eine Aktion gehabt zu haben, doch dann, während ich meine linke Rute schon eingeholt hatte, geschah das unfassbare: Ich registrierte einen zaghaften Biss auf meiner rechten Rute, die auf der flachen Kiesbank lag. Es folgte ein für die Jahreszeit heftiger Drill, bei dem glücklicherweise ich am Ende der Gewinner blieb.

Winterkracher

Entgegen des Trends setzt Marc Fähnrich im Herbst und Winter auf wenig Futter und mobiles Angeln.

Der Gina Haken, gebunden am Blowback-Rig saß perfekt in der Flanke des Mauls. Nachdem ich den Fisch im Wasser versorgt hatte, konnte ich die Größe des Fisches erst überblicken. Die Waage blieb mit 19.2 Kg knapp unter der magischen 20 Kilo-Marke stehen und das am 28.12.2016. Meine Taktik ist aufgegangen.

Einen besseren Jahresabschluss hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches Angeljahr 2017 und viel Spaß auf den bevorstehenden Messen.

Marc Fähnrich

 

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