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Karpfenangeln im Sommer

Karpfenangeln im Sommer
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Sommerliche Temperaturen sind zwar angenehm für den Angler, für den Angelerfolg hingegen können sie mitunter sehr hinderlich sein. Wie sich die Chancen dennoch ein wenig erhöhen lassen und wie seine bisherige Sommersaison verlief, verrät uns Teamangler Christian Klatt in folgendem Bericht.

Der Hochsommer gehört in der Regel nicht zu den produktivsten Jahreszeiten beim Karpfenangeln. Die Fische sind durch den geringen Sauerstoffgehalt im Wasser relativ träge und finden einen an natürlicher Nahrung reich gedeckten Tisch vor. Zusätzlich zu den schlechten Fangaussichten tummeln sich noch zahlreiche Lebewesen am Wasser, die einem den Angelausflug tüchtig vermiesen können: Zecken, Mücken, Bremsen, Badegäste und Feierwütige (um nur ein paar zu nennen). Passt man sich diesen Bedingungen an, können auch im Sommer sehr gute Fangergebnisse erzielt werden…

Manchmal ist das Gewicht nebensächlich.

1. Tipp: Tagsüber
Das „Stalken“ wird im Mutterland des Karpfenangelns gerne und erfolgreich ausgeübt. Hierfür muss allerdings ein Gewässer gewählt werden, bei dem eine reelle Chance besteht die Fische zu sehen. Ein 100 Hektar großer Baggersee ist dafür eher schlecht geeignet. Erspäht man einen Trupp träge dahin dümpelnder Karpfen, ist das leider noch lange kein Erfolgsgarant für eine nasse Abhakmatte. Die Karpfen zeigen sich in den meisten Fällen appetitlos und ignorieren unseren Köder. Bei aller Lethargie bleiben die Fische aber neugierig und können einem interessanten, in Maulhöhe angebotenen Köder, nicht widerstehen. Ein Pop-Up, den man auf Vorfachlänge auftreiben lässt, kann bei sommerlichem Hochdruckwetter den erhofften Erfolg bringen. Es macht wenig Sinn dieses „Zig-Rig“ an eine beliebige Stelle zu werfen und auf einen Zufallsfang zu hoffen. In der Nähe von erspähten Karpfen oder bekannten Zugrouten kann es aber durchaus gewichtige Resultate hervorbringen.

2. Tipp: Kraut
Karpfen lieben Kraut. Es bietet ihnen Schutz, liefert tagsüber Sauerstoff und nicht zuletzt wird es auch von „Leckereien“ wie Muscheln und Schnecken besiedelt. Viele Angler meiden krautige Gewässer, weil sie Angst haben, dass ihre Montagen im Kraut versinken und unproduktiv sein könnten. Sicherlich kommt es mal vor, dass eine Montage nicht effektiv präsentiert werden kann – mit ein paar Vorkehrungen ist das aber eher unwahrscheinlich. Am einfachsten ist es natürlich, man taucht die Montagen zu den Krautlöchern und benutzt beim Drill ein Schlauchboot. Diese Tipps habe ich häufig in Fachzeitschriften gelesen und sie mögen auch hilfreich sein, sofern beides erlaubt ist. In vielen Gewässern sind aber beide Hilfsmittel nicht gestattet und man ist gezwungen zu anderen Techniken zu greifen.

Zunächst erkundet man mit Hilfe einer Markerrute die Art und die Dichte des Krautbewuchses. Eine genaue Bestimmung der Krautgattung ist dabei nicht notwendig und wir begnügen uns damit, wie das Kraut unter Wasser aussehen mag. Manche Arten wachsen ähnlich wie ein Laubwald, so dass der Köder sicher durch die obere Krautdecke gebracht werden muss, um ihn am Boden in der Nähe der Karpfenrüssel präsentieren zu können. Hierfür bietet sich ein Bodenköder an einem kurzen Geflechtvorfach an. Zur Sicherheit kommt die gesamte Montage inklusive Blei in einen PVA Beutel, den man mit Pellets und zerkrümelten Boilies auffüllen sollte.

Dank Wuzzel Weed lassen sich auch vorsichtige Schleien überlisten.

Handelt es sich um eher niedrig wachsende Krautarten, nutze ich einen ausbalancierten Köder, der an einem langen Geflechtvorfach angeboten wird. Zum Ausbalancieren nutze ich allerdings kein Knetblei, sondern eine Schere oder ein Teppichmesser. Zusätzlich zum normalen Boilie kommt oberhalb ein ganzer oder halber Pop-Up (je nach Auftriebskraft). Sinkt der Köder mit Haken zu schnell, schneide ich ein Stück des sinkenden Boilies ab – steigt er hingegen auf, wird der Pop-Up gekürzt. Ziel sollte sein, dass sich das Hakenvorfach im Zeitlupentempo auf das Kraut legt. Vor dem Auswurf sichere ich den Haken mit ein bis zwei Stückchen PVA Foam.

Hier noch ein paar grundsätzliche Tipps für das Krautangeln:
– Niemals die Montage nach dem Auswurf bewegen! Sollte man die Montage aus Versehen verzogen haben, lieber neu auswerfen.
– Nutze Drop-Off oder Safety Clip-Montagen – lieber das Blei verlieren, als den Fisch.
– Meide zu dichtes Kraut! In zu dichten Krautteppichen ist eine erfolgreiche Köderpräsentation und eine erfolgreiche Landung sehr schwierig.
– Eine „Kette“ ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ich nutze eine dicke Mono (ab 0,40mm aufwärts), einen MIKA Poly Leader und den Xenia Haken. Bei verkrauteten Gewässern vermeide ich geflochtene Schlagschnüre, weil sich am Verbindungsknoten häufig Kraut sammelt und die Gefahr besteht, dass die Schnur an dieser Schwachstelle reißt. Letztes Jahr wurde ein Teil meines Hausgewässers mit abgerissenen Schlagschnüren geradezu „vermient“. Mit einer durchgehenden 0,50er-Mono hatte ich dagegen keinerlei Probleme.
– Fische ufernah! Weite Würfe sind meist nicht nötig und die Fische werden häufig überworfen.

Besonderheiten des Sommers 2013:
Nach dem frühsommerlichen Hochwasser war der Wasserstand an meinem Zielgewässer ungewohnt hoch (etwa 1,5m über dem üblichen Wasserstand). Dies hatte zur Folge, dass viele Angelplätze nicht oder nur mit etwas Aufwand beangelbar waren. Insgesamt ließ dadurch der Angeldruck deutlich nach und von den wenigen Angelplätzen wurden mehr oder weniger erfolglos die bekannten Kanten und Plateaus beangelt. In der Gluthitze des Hochsommers stagnierten die Fänge völlig. Beim abendlichen Spinnfischen erspähte ich einige Karpfen, die in Ufernähe patrouillierten und scheinbar auf der Suche nach etwas fressbarem waren. In der Nähe befindet sich ein produktiver Platz, der sich mit etwas Aufwand (Wathose und lange Erdspeere) beangeln ließ. Gemütlich war es bei dem fauligem Schlammgeruch und Heerscharen stechender Insekten zwar nicht, aber dafür konnte ich in zwei Nächten ein paar dicke Überraschungen erleben.

Christian Klatt

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